231 Einsätze, Platzmangel und eine starke Jugend: Feuerwehr Rotenburg (Wümme) zieht Jahresbilanz
Rotenburg (Wümme). Pünktlich eröffnete Ortsbrandmeister René Hübner am 6. März 2026 die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Rotenburg (Wümme) im örtlichen Feuerwehrhaus. Auf der Agenda standen der Rückblick auf ein anspruchsvolles Einsatzjahr 2025, drängende räumliche Herausforderungen sowie erfreuliche Entwicklungen beim Nachwuchs und der Fahrzeugbeschaffung.
Neben den Mitgliedern der Einsatz- und Altersabteilung konnte Ortsbrandmeister Hübner auch zahlreiche Gäste begrüßen. Darunter Bürgermeister Torsten Oestmann, für den es die letzte Jahreshauptversammlung in dieser Funktion war, da er im September nicht mehr zur Wahl steht. Ebenfalls anwesend waren Ordnungsamtsleiterin Chiara Meyer, Abschnittsleiter Jürgen Runge, Stadtbrandmeister Andree Daniel sowie sein Stellvertreter Matthias Harries.
Leicht rückläufige Einsatzzahlen auf hohem Niveau
Im Jahresbericht des Ortsbrandmeisters stand das Einsatzgeschehen 2025 im Fokus. Insgesamt wurde die Feuerwehr Rotenburg zu 231 Einsätzen alarmiert – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (260 Einsätze). Hauptgründe hierfür waren ausgebliebene große Unwetterlagen sowie ein Rückgang überörtlicher Einsätze, was der gut funktionierenden geografischen Alarm- und Ausrückeordnung (GEO-AAO) zu verdanken ist.
Hübner lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Zusammenarbeit mit den benachbarten Feuerwehren. Die Kooperation sei „auf Augenhöhe, hochprofessionell und zu 100 Prozent verlässlich.“ Besonders die Feuerwehr Hemsbünde erwies sich als starke Stütze und unterstützte bei rund 60 Einsätzen im Rotenburger Stadtgebiet.
Brandmeldeanlagen und vielseitige Hilfeleistungen
Ein großer Teil des Einsatzaufkommens geht auf Brandmeldeanlagen (BMA) zurück. Mit 80 Alarmierungen machten sie fast ein Drittel aller Einsätze aus. Auch im Bereich der Technischen Hilfeleistung ist die Feuerwehr gefordert: Zu 19 Einsätzen unter dem Stichwort „Tür verschlossen“ rückten die Kräfte aus. Dies zeigt, dass die Feuerwehr mehr und mehr zum vielseitigen und schnellen Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger in Notlagen wird.
Zu den besonders markanten Einsätzen im Jahr 2025 zählten:
- Brand im Stadthaus (3. August): Ein Feuer in der Tiefgarage/Keller führte zu einer starken Rauchausbreitung bis in das angrenzende Hotel, welches daraufhin komplett geräumt werden musste.
- Dachstuhlbrand in der Hoffeldstraße Ende Dezember.
- Rettung aus großer Höhe: Die eigens ins Leben gerufene Absturzsicherungsgruppe bewies bei einem Einsatz in der Gemeinde Scheeßel ihren Wert, als eine Person von einem Strommasten gerettet werden musste. Die Entscheidung, diese Spezialgruppe aufzustellen, hat sich vollends ausgezahlt.
Aus- und Fortbildung neben dem regulären Dienst
Trotz der hohen Einsatzbelastung kam die Ausbildung nicht zu kurz. Die Kameradinnen und Kameraden besuchten Lehrgänge in Zeven, an den Standorten der NLBK in Celle und Loy sowie Tages- und Führungskräfteseminare in Achim und Bremervörde. Zudem stellte die Feuerwehr Brandsicherheitswachen bei großen Events wie „Ferdinands Feld“ und unterstützte beim Hurricane Festival in Scheeßel.
Starker Nachwuchs, aber ein Gebäude am Limit
Sehr positiv fielen die Berichte aus den Abteilungen aus. Jugendwart Henning Christen konnte von einer hervorragend aufgestellten Jugendfeuerwehr berichten, die erfolgreich an Orientierungsmärschen und der Leistungsspange teilnahm. Besonders erfreulich: Im Jahr 2025 konnten gleich acht Jugendliche in die Einsatzabteilung übernommen werden. Auch die Kinderfeuerwehr erfreut sich großer Beliebtheit – Kinderfeuerwehrwart Rolf Rinck berichtete von einer bestehenden Warteliste. Die von Wolfgang Mießner geleitete Altersabteilung ist mit monatlichen Treffen und dem „Männerfrühstück“ weiterhin sehr aktiv und freute sich über den Zuwachs durch den ehemaligen Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch sowie Burkhard Jordan. Kassenwart Rolf Rinck bescheinigte zudem eine solide Kassenführung.
Einen Wermutstropfen bildet jedoch das Feuerwehrhaus. Nach 29 Jahren zeigen sich zunehmend Probleme; das Gebäude ist den aktuellen Vorgaben und Anforderungen kaum noch gewachsen. Es fehlt massiv an Platz für Material und Umkleiden. Um Abhilfe zu schaffen und die Jugendlichen vor Kontaminationsverschleppung zu schützen, erhält die Jugendfeuerwehr nun übergangsweise einen Umkleide-Container auf dem Parkplatz.
Eine weitere Neuerung betrifft den Eigenschutz: Da bundesweit immer wieder Feuerwehrhäuser brennen – oft bedingt durch die zunehmende Anzahl an modernen Akkugeräten –, wird das Rotenburger Feuerwehrhaus mit einer eigenen Brandmeldeanlage ausgestattet.
Positiver Blick in die Zukunft
Trotz der baulichen Mängel zog Hübner ein positives Resümee, insbesondere hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und dem Ordnungsamt. Diese laufe auf Augenhöhe und sehr unkompliziert – so konnte kürzlich schnell und einfach ein neues Rettungsboot beschafft werden.
Auch im Fuhrpark tut sich einiges: Das neue TLF 4000 befindet sich aktuell im Bau, der neue Mannschaftstransportwagen (MTW) steht kurz vor der Auslieferung. Zudem wurde in enger Abstimmung mit der Verwaltung beschlossen, ein neues Wechselladerfahrzeug (WLF 1) zu beschaffen und das bisherige zu einem Logistikfahrzeug umzubauen.
Mit starken Mitgliederzahlen, modernster Technik und großem Engagement blickt die Feuerwehr Rotenburg (Wümme) somit bestens gerüstet in das Jahr 2026.
Ehrungen, Hochwassermedaillen und die letzten Beförderungen nach alter Verordnung
Ein traditioneller und wichtiger Bestandteil der Jahreshauptversammlung ist stets die Würdigung verdienter Kameradinnen und Kameraden. Die diesjährigen Beförderungen hatten dabei eine besondere historische Note: Sie wurden zum letzten Mal nach der alten Feuerwehrverordnung durchgeführt. Ab dem 1. April 2026 werden in Rotenburg die neuen Dienstgrade eingeführt, die mit der überarbeiteten Verordnung in Kraft getreten sind.
Zahlreiche Mitglieder der Einsatzabteilung konnten sich über den Lohn für ihre absolvierten Lehrgänge und ihr Engagement freuen. Zum Oberfeuerwehrmann wurden Jasper Niepel, Finn Nieswandt, Finn Hendrik Müller, Till Müller und Jano Bremer ernannt, während Lena Wechsung zur Oberfeuerwehrfrau aufstieg. Anna-Lena Schenke trägt nun den Dienstgrad Hauptfeuerwehrfrau.
Auch in den Reihen der Führungskräfte gab es neue Schulterstücke: Tobias Lehmann wurde zum Löschmeister und Martin Bassen zum Oberlöschmeister befördert. Bernd Meyer und Daniel Nehrke dürfen sich nun Hauptlöschmeister nennen. Torben Kaiser wurde zum Brandmeister ernannt, und Thomas Schmidke stieg zum Oberbrandmeister auf.
Besonders feierlich wurde es bei den Auszeichnungen. Ein besonderer Dank des Landes Niedersachsen wurde mehreren Einsatzkräften zuteil: Für ihr enormes Engagement bei den Überflutungen bekamen sie die Hochwassermedaille 2023 verliehen.
Zudem standen Ehrungen für jahrzehntelange Treue auf der Tagesordnung. Heiko Rabe wurde für 25 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr ausgezeichnet. Eine außergewöhnliche Würdigung erfuhr Herbert Harries: Er blickt auf stolze 60 Jahre Mitgliedschaft zurück – eine beeindruckende Lebensleistung, die von der Versammlung mit großem Applaus bedacht wurde.
Schließlich stand auch ein Abschied aus dem aktiven Dienst an: Heinrich Heeßel wurde feierlich in die Altersabteilung verabschiedet. Die Kameradinnen und Kameraden dankten ihm herzlich für seinen jahrelangen, unermüdlichen Einsatz zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger von Rotenburg.